Aktuelle Marktsituation Seeversicherungen

Allgemeine Lage
Die zweite Hälfte des laufenden Jahres hat sich bisher als äußerst turbulent gezeigt und die Marktverhältnisse im Bereich der internationalen Seeversicherungen deutlich verändert.
Nachdem sich im Bereich des stark skandinavisch geprägten Versicherungszweiges der Loss of Hire – Versicherung (Verdienstausfall) bereits in den letzten beiden Jahren eine Verhärtung aufgrund schlechter Resultate bei nicht auskömmlichen Prämien gezeigt hat, ist dieses aktuell in noch stärkerer Form auf dem internationalen Kaskoversicherungsmarkt zu erkennen.

Lloyd‘s of London
Triebfeder hierfür ist insbesondere die durch den Brexit stark beanspruchte Lloyds Versicherungsbörse in London. Nachdem der Bereich Marine in den letzten 10 Jahren bereits defizitär war, gab es in 2017 ein Defizit von über einer halben Milliarde Euro in diesem Bereich, hervorgerufen u.a. durch die enormen Schäden durch die Hurrikans in der Karibik und den USA. Auch das aktuelle Jahr zeigt eine schlechte Schadensentwicklung und der Brand auf der Mega-Yacht im Dock der Lürssen Werft hat den Lloyds Markt zuletzt noch einmal hart getroffen. An der Baurisiko-Versicherung der Lürssen Werft sind nahezu alle namhaften Marine Underwriter des Lloyd‘s Marktes beteiligt und der Gesamtschaden wird mit rund EUR 600 mio. beziffert. Bereits Mitte des aktuellen Jahres hatte die Lloyd‘s Aufsicht die Syndikate aufgefordert, Ihr Risikoprofil im defizitären Marine Geschäft deutlich aufzubessern und klarzustellen, mit welchen Maßnahmen die Syndikate die Verluste zukünftig vermeiden werden. Entsprechende Geschäftspläne mussten der Lloyd‘s Aufsicht vorgelegt werden, wurden äußerst kritisch bewertet und teilweise deutliche Nachbesserungen gefordert.

Dieses führte dazu, dass viele Lloyd‘s Syndikate das Marine Geschäft komplett eingestellt haben, wovon viele auch auf dem deutschen Markt bekannte Versicherer wie u.a. AmTrust, Barbican, Standard oder Advent betroffen sind. Bereits Mitte September hatten sich nach Angaben der IUMI die Kapazitäten auf dem Seeversicherungsmarkt um rund USD 100 mio. reduziert. Weitere Lloyd‘s Underwriter sind diesem Beispiel in den letzten Wochen gefolgt oder mussten weitere Konzessionen an die Lloyd‘s Aufsicht machen, wie beispielsweise das Zugeständnis, keine Risiken mehr aus den besonders defizitär laufenden Portfolios Griechenland, Italien und Deutschland zu zeichnen. Für die Prolongationen auf dem Lloyd’s Markt bedeutet diese Entwicklung der letzten Monate, dass selbst Kasko-Risiken mit einem sehr guten Schadensverlauf maximal ein „as expiry“ erreichen können, in der Regel aber einer neuen Risikobewertung unterliegen, die zwingend Forderungen nach Prämienerhöhungen nach sich zieht.

Entwicklung internationale Märkte
Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den Versicherungsmarkt im Allgemeinen. So vollzog auch das britische Versicherungsunternehmen Royal Sun Alliance (RSA) einen drastischen Kurswechsel. Zeigte sich die RSA in den letzten Jahren als verlässlicher Partner auf dem deutschen Transport-Versicherungsmarkt mit ihren Niederlassungen in Hamburg und Köln, so kam es im Zuge eines Restrukturierungsprozesses im letzten Monat zu deutlichen Veränderungen im Bereich des internationalen Seetransportgeschäfts. Die Risiken werden neu und kritisch bewertet und Kapazitäten drastisch abgebaut.

Nachdem bereits in den letzten Jahren berechtigterweise viel darüber gesprochen wurde, dass das Prämienniveau insbesondere im Bereich Seekaskoversicherung häufig nicht den Risiken und Schadensverläufen entspricht, stellen wir mittlerweile nicht nur auf dem europäischen Versicherungsmarkt eine deutliche Abkehr vom „soft market“ fest. Bereits seit dem letzten Jahr ist diese Entwicklung auch im Bereich der asiatischen Versicherer feststellbar und wird durch die aktuellen Entwicklungen auf dem englischen Markt noch unterstützt, zumal die asiatischen Versicherer auch die dortigen Rückversicherungskapazitäten benötigen.

Deutscher Versicherungsmarkt
Profitieren könnten hiervon mittelfristig die deutschen Seekaskoversicherer, die sich aktuell weiter als beständiger Partner zeigen, aber auch schon in den letzten Jahren Risiken strenger bewerteten und höhere Prämien/Franchisen aufriefen. Durch die aktuelle Verknappung der Kapazitäten und Neubewertung der Risiken, steigen die Anfragen an den deutschen Markt momentan rapide an.

***

Es bleibt grundsätzlich abzuwarten, wie sich die Seeversicherungsmärkte in den nächsten 1-2 Jahren entwickeln werden. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten und stehen Ihnen bei Rückfragen gerne persönlich zur Verfügung.

Bis dahin wünschen wir Ihnen und Ihren Familien eine schöne Adventszeit!