P&I Clubs Renewal per 20.02.2019 - Vorschau

IG Rückversicherungsprämien
Wie bereits im letzten Jahr konnten auch in diesem Jahr die Verhandlungen zu den Rückversicherungsverträgen der International Group of P&I Clubs (IG) frühzeitig abgeschlossen werden und die Ergebnisse bereits in dieser Woche verkündet werden. Das weltweit größte Rückversicherungskonstrukt wurde durch kleinere Veränderungen weiter gestärkt. Die an die P&I Club Member weiterzugebenden Rückversicherungsprämien konnten trotz im aktuellen Jahr ansteigendem Schadensaufkommen aufgrund der seit Costa Concordia im Jahr 2012 insgesamt konstant guten Schadensentwicklung zum 4. Mal in Folge gesenkt werden - allerdings nur geringfügig und gleichmäßig über die einzelnen Schiffstypen verteilt im Durchschnitt um 1,68% (dry cargo vessels: 1,67%).

Während die Individual Club Retention im Rahmen des Pooling- und Rückversicherungsmodells der IG weiter bei USD 10 mio. liegt, bleibt auch das im letzten Jahr erhöhte interne Pooling der Excess Claims bis USD 100 mio. durch die Clubs über das eigene Captive Hydra unverändert. Veränderungen gab es lediglich in den darüber hinausliegenden Layern, die (teilweise) auf den kommerziellen Rückversicherungsmärkten eingedeckt werden. U.a. wurde im ersten Layer das limit auf USD 750 mio. erhöht und eine von der Hydra zu tragende annual aggregate deductible (AAD) von USD 100 mio. eingeführt. Auch wird ein 5%iges Private Placement innerhalb des First Layer zum 20.02.2019 durch ein neues 10%iges ersetzt, so dass der Anteil der Privat Placements in diesem Layer von 15% auf 20% steigt.

General Increases
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine weitere Steigerung der Schadensaufwendungen zu erkennen ist, die aktuell nicht mehr, wie in den Vorjahren, durch hohe Investitionsgewinne auf den Kapital- und Aktienmärkten ausgeglichen werden kann. So hat beispielsweise der Club North of England eine Loss Ratio (L/R) für das laufende Jahr von 110% angekündigt. Aufgrund der fehlenden Investitionsgewinne wird der Verlust in diesem Jahr bei North of England durch eine Reduzierung der Reserven ausgeglichen und kein General Increase (GI) von den Club Mitgliedern gefordert.

Ebenso verzichten bis auf West of England (WoE) alle anderen P&I Clubs für die anstehende P&I Prolongation zum 20.02.2019 auf einen GI. WoE hatte bereits frühzeitig im Oktober einen GI von 5% verkündet. Dieser Schritt war vielleicht etwas verfrüht und in der Erwartung, dass andere Club nachziehen. Es bleibt abzuwarten, ob der GI bei WoE tatsächlich zum Tragen kommen wird. In jedem Fall ist er aber als klare Abkehr von (weiteren) Prämienreduzierungen und ein Signal für die Zukunft zu sehen.

Insbesondere in den letzten beiden Jahren sind die P&I Clubs in den harten Preiskampf des Festprämienmarktes eingestiegen und haben hier verlorenes Terrain zurückgewonnen, was mit dazu geführt hat, dass es zu weiteren Konsolidierungen im Festprämienmarkt gekommen ist. Angesichts steigender Schadensaufwendungen und aktuell fehlenden Investitionsgewinnen ist dieses sicherlich auch ein Indiz dafür, dass in der Zukunft wieder mit Prämienerhöhungen zu rechnen ist.

Update zu einigen ausgewählten P&I Clubs

GARD
GARD bleibt weiter der Überflieger unter den P&I Clubs. Bereits Anfang November hat der Club ein starkes Underwriting Ergebnis für das erste halbe Jahr mit einer Combined Ratio von 78% vorgestellt. Auf Basis des Estimated Total Calls (ETC) bedeutet das für die ersten 6 Monate einen Gewinn von USD 27 mio. Mit Investitionsgewinnen von USD 41 mio. haben sich die Reserven damit auf USD 1.276 mio. erhöht. Angesichts dieser starken Zahlen ist bei ähnlichem Verlauf im zweiten halben Jahr davon auszugehen, dass GARD Mitte 2019 wieder auf einen Teil der Prämien für das laufende Jahr verzichten wird. Ob das erneut der komplette Deferred Call (20% der Jahresprämie) sein wird, bleibt abzuwarten.

SKULD
Nachdem SKULD in diesem Jahr bereits 2,5% der Prämien an alle Mitglieder und weitere USD 5 mio. abhängig von der langfristigen individuellen Performance zurückgezahlt hat, zeigt der in der letzten Woche veröffentlichte 9-Monats-Bericht eine gegenüber dem gleichen Zeitraum im letzten Jahr um 3 % verbesserte Combined Ratio von 101%. Aufgrund von Verlusten im Bereich der Kapital- und Aktienanlagen (im Gegensatz zum Vorjahr) liegt das negative 9-Monats-Ergebnis bei USD –15,7 mio. Dennoch bleibt SKULD mit Reserven von USD 426 mio. in einem äußerst stabilen Zustand, was auch das S&P A Rating belegt.

The Swedish Club
Das Halbjahresergebnis des Swedish Clubs lag durch eine positive Combined Ratio von 96% mit Underwriting Überschuss von USD 4,7 Mio. trotz Investitionsverlusten in ähnlicher Höhe immer noch bei einem Überschuss von USD 0,2 mio. Die aktuellen Vorhersagen von letzter Woche gehen von einer Combined Ratio von um 100% bei aktuellen Reserven von rund USD 210 mio. aus. Trotz Rückgabe von 5% der Prämien an die Mitglieder in diesem Jahr und vor dem Hintergrund eines erneuten Verzichts auf einen GI weist auch der Swedish Club aufgrund der Prämienreduzierungen der letzten Jahre und jährlichen Kostensteigerungen der Claims von aktuell rund 3% darauf hin, dass die Entwicklung für die Zukunft genau betrachtet werden müsse und Prämiensteigerungen nicht ausgeschlossen werden können.

UK P&I Club
Das Halbjahresergebnis des UK Club zeigte zwar eine Combined Ratio von 107%, die vom Club mit dem Hinweis auf historisch niedrige Prämien und einem Anstieg bei größeren Schäden kommentiert wurde, konnte aber durch Investitionsgewinne von immerhin 1,4% ausgleichen werden, so dass ein Überschuss von rund USD 2 Mio. übrig blieb. Die Reserven lagen bei rund USD 538 mio. und damit auf dem Level zum Abschluss des letzten P&I Jahres. Tendenziell erwartet auch der UK Club Prämienanstiege für die kommenden Jahre.

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Wir werden Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten und stehen Ihnen bei Rückfragen auch gerne persönlich zur Verfügung. Bis dahin wünschen wir Ihnen und Ihren Familien frohe und besinnliche Weihnachten sowie einen guten Rutsch und Start in 2019!!