P&I Renewal 2017

IG P&I Rückversicherungsprämien

Bereits Mitte Dezember und damit rund 1 Monat früher als in den letzten Jahren üblich konnte die International Group of P&I Clubs die Verhandlungen zur Prolongation ihrer Rückversicherungsverträge erfolgreich abschließen. Neben dem guten Schadensverlauf der letzten 3 Jahre – seit August 2013 gab es keinen P&I-Einzelschaden über USD 100 Mio. – half der weiche (Rückversicherungs-)Markt dabei, die Rückversicherungsprämien im dritten Jahr in Folge zu reduzieren. Nachdem in den Vorjahren insbesondere nach dem katastrophalen P&I Jahr 2011/2012 (Costa Concordia und Rena) auch größere Veränderungen an der Rückversicherungsstruktur der IG vorgenommen wurden, folgten in diesem Jahr nur noch kleine Änderungen. So wird ab 20.02.2017 der noch bestehende 25% Anteil der (kommerziellen) Rückversicherer am Layer zwischen USD 80 Mio. und 100 mio. aufgelöst und von der Hydra, captive Versicherung der IG, übernommen. Die kommerziellen Rückversicherungsverträge greifen damit innerhalb der IG erst ab einem Schadensvolumen von USD 100 Mio. Der individuelle Selbstbehalt der Clubs bleibt bei EUR 10 Mio.

Im Ergebnis reduzieren sich die Rückversicherungsprämien ab dem 20.02.2017 für Trockenfrachter im USD Bereich (USD 0,4114 per GT) um 9,32% gegenüber dem Vorjahr. Die gleiche Reduzierung von 9,32% gilt für die sogenannten dirty tankers (USD 0,5955 per GT). Für clean tankers (USD 0,2675 per GT) liegt die Reduzierung bei 5,01% gegenüber dem Vorjahr. Auch Passagierschiffe profitieren mit einem Nachlass von 5% von den abgeschlossenen Verhandlungen. Für Schiffe mit EUR-Prämien gelten die vorgenannten Zahlen nicht unmittelbar. Da die Rückversicherungsprämien in USD zu zahlen sind, liegen die Ermäßigungen in EUR gegenüber dem Vorjahr wechselkursbedingt etwas unter den o.g. Prozentzahlen.

MLC

Darüber hinaus hat die IG einen separaten Rückversicherungsvertrag für die bisher nicht unter der klassischen P&I Deckung abgebildeten Risiken der MLC Regulation 2.5.2 (u.a. Heuerzahlung und Heimschaffung) abgeschlossen, für die ab 18.01.2017 Bescheinigungen der Versicherung bzw. finanziellen Sicherheit an Bord mitgeführt werden müssen. Das Limit der Rückversicherung liegt hier bei USD 190 Mio. mit einem Selbstbehalt von USD 10 Mio. Die Kosten sind in den vorgenannten Rückversicherungsprämien enthalten.

General Increase der P&I Clubs

In den letzten 5 Jahren wurden von den P&I Clubs in unterschiedlichem Maße general increases von ihren Clubmitgliedern eingefordert. Dieses führte zu Prämienerhöhungen auf dem Weg der general increases von insgesamt zwischen 10% (Shipowners Club) bis zu 38,5% (London Club).

Nachdem im letzten Jahr die general increases mit Ausnahme des London Clubs (5%) bereits zwischen 0% und 3% lagen (im Durchschnitt 2,1%), haben mittlerweile erfreulicherweise alle Clubs für die anstehende Prolongation zum 20.02.2017 eine „Nullrunde“ angekündigt.

Hiermit tragen die Clubs sowohl dem freundlichen P&I claims Umfeld der letzten Jahre und ihren guten Underwriting Ergebnissen - die Clubs der IG P&I haben mittlerweile Rücklagen von insgesamt rund USD 5 Mrd. aufgebaut - als auch der weiterhin andauernden Schifffahrtskrise Rechnung. Selbstverständlich unterziehen die Clubs Ihre Mitglieder/Flotten und deren Schadensverläufen zusätzlich einer individuellen Betrachtung mit den entsprechenden Prämienanpassungen in beide Richtungen.

Release Calls

Die gleichen Auswirkungen sind auch im Bereich der Release Calls zu erkennen, die im Falle des Wechsels von einem P&I Club anfallen und entweder direkt gezahlt oder per Bankgarantie mit Aussicht auf Rückgewähr geleistet werden können. Die Release Calls werden von Club zu Club unterschiedlich berechnet, befinden sich aktuell aber allgemein auf dem niedrigsten Stand der letzten Jahre. Beispielhaft liegen sie für die letzten 3 Jahre (inkl. laufendem Jahr) für SKULD bei 4%/ 3%/ 0%, für den UK P&I Club bei 10%/ 0%/ 0%, für den Swedish Club bei 7,5%/ 8%/ 15% und für GARD bei 20%/ 5%/ 5%.

Prämienerstattungen

Viele Clubs denken zudem über Prämienerstattungen hinsichtlich des aktuellen oder zurückliegenden Jahres nach. Dieses hat GARD als größter und mit Rücklagen von über USD 1 Mrd. finanzkräftigster Club bereits in den letzten 7 Jahren so praktiziert (2016: 10% Rückgewähr). Aber auch andere Clubs folgen diesem guten Beispiel. SKULD hat für das letzte P&I Jahr eine Rückzahlung von 2,5% der Jahresprämie veranlasst und für das aktuelle Jahr eine Empfehlung in gleicher Höhe ausgesprochen. Der UK P&I Club hat für das letzte Jahr einen Nachlass von 3% gewährt.

Die beiden Clubs North of England und Standard haben bereits Prämienrückgaben für das laufende P&I Jahr von je 5% beschlossen. Auch der Swedish Club denkt über eine Rückerstattung für das laufende Jahr nach, hat die Entscheidung hierüber aber auf das board meeting nach dem renewal per 20.02.2017 vertagt.

Fixed P&I Anbieter

Der Markt der kommerziellen P&I Versicherer entwickelt sich weiterhin gut. Seit 2008 gab es jedes Jahr einen Anstieg der versicherten Tonnage im owned P&I Segment, was mittlerweile zu einer Verdopplung in diesem Bereich geführt hat. Seit 7 Jahren sind zudem die Durchschnittsprämien per GT kontinuierlich gesunken und wir erwarten auch für die anstehenden Prolongationen abhängig von der individuellen Schadensstatistik ein Beibehalten des Trends.

Mittlerweile gibt es 11 Anbieter, die zumeist von Risikoträgern mit A-rating gedeckt sind und Deckungslimits bis zu USD 1 Mrd. darstellen können. Vornehmlich bei Schiffsgrößen bis zu GT 30.000 stellen die kommerziellen Anbieter gute Alternativen zu den P&I Clubs dar und liegen prämienmäßig zumeist (deutlich) unter den Clubs. Dieses wird auch im fixed premium Bereich von den guten Schadensstatistiken der letzten Jahre, den weichen Versicherungsmärkten und dem hohen Konkurrenzdruck getragen.

Wir werden Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten und stehen Ihnen bei Rückfragen auch gerne persönlich zur Verfügung.